Venezuela: Aufbrüche

Venezuela bleibt in den Schlagzeilen. Der politische und gesellschaftliche Umbruch des reichen und gleichzeitig bitterarmen Landes ist unausweichlich. Wir widmen uns den Problemen der Menschen, die aus den Wirren des Landes fliehen. Flucht und Migration sind Herausforderungen für viele Menschen in Südamerika. Die Migrationsströme über Zentralamerika in den Norden werden medienträchtig von Politikern im Bewusstsein gehalten. Über Jahre unterstützt die CSR ERBER Group Menschen, die von zu Hause vertrieben wurden. Besonderes Kopfzerbrechen bereitet in den letzten Jahren die Situation in Venezuela. Was ist nur aus dem Land geworden, das 1982 noch das reichste Land Lateiname¬rikas war und heute sein Armenhaus ist?

Venezuela verzeichnete im Jahr 2018 eine rund 1,5 Millionen prozentige Inflation, das heißt, alle zwei bis drei Wochen verdoppelten sich die Preise. Seit 2013 ist die Wirtschaftsleistung um etwa die Hälfte geschrumpft, die Ölförde¬rung liegt nur noch bei 1,1 Millionen Barrel, einem Drittel im Vergleich zu 2013, und die Auslandsverschuldung ist kaum noch zu bedienen. Kurzum, die Wirtschaft ist ruiniert und der Staat ist bankrott. Die Zahlen weichen etwas voneinander ab, je nach Quelle und politischer Orientierung. Offizielle Statistiken werden von der venezolanischen Regierung seit Jahren nicht mehr bekannt gegeben.

In den Geschäften sinkt das Angebot ständig. Ein Kilo Käse kostet 3.450,- Bolívares. Das sind ca. 3 bis 4 Euro, je nachdem ob man den offiziellen oder den parallelen Umtauschkurs nimmt. Jedenfalls kann man sich mit dem Mindestlohn von 4.500 Bolí¬vares genau 1,3 Kilogramm Käse kaufen.

Alle sind sich einig, dass nur durch einen Regierungswechsel Verbesserung in Aussicht ist. Und dass der Wandel nur von innen kommen kann. Aber wie dies geschehen soll, darüber herrscht eine gewisse Ratlosigkeit. Nicolas Maduro und seine Partei haben ein autokratisches System errichtet, die demokratische Gewal¬tenteilung aufgehoben und das Parlament ausgeschaltet. Die jüngste Amtseinsetzung Maduros als Präsident Venezuelas wurde von vielen Ländern, darunter mehrere Länder der EU, nicht anerkannt, da seine Wahl als irregulär eingestuft wird. Auch die venezo¬lanischen Bischöfe bezeichnen Maduro in ihrer Verlautbarung vom 9. Januar 2019 als „unrechtmäßigen Präsidenten“. Aber selbst wenn es zum Regimewechsel kommt, braucht das Land noch lange Zeit Hilfe von außen, um die gegenwärtige hu¬manitäre Katastrophe zu überwinden.

Aus dem einstigen Einwanderungsland sind in den letzten Jahren drei Millionen Menschen geflohen. CSR ERBER Group unterstützt in dieser humanitären Ausnahmesituation die Arbeit des Flüchtlingsdienstes der Jesuiten in Lateinamerika (JRS). Über eine Million Venezolaner sind ins benachbarte Kolumbien geströmt. Der Ansturm ist mit den staatlichen Strukturen in den teilweise noch immer unruhigen Grenzregionen Kolumbiens nicht aufzufangen. Es braucht Einrichtungen wie den JRS, der mit vielen freiwilligen Helfern die erste und ärgste Not abzufedern versucht. Dabei geht es hauptsächlich um humanitäre Hilfe: Medikamente, Nahrungsmittel, Familienzusammenführungen. An erster Stelle stehen Menschen, die in solchen Flucht- und Notsituationen besonders gefährdet sind: schwangere Frauen, Frauen mit Kleinkindern, Mädchen und junge Erwachsene, alte Menschen, chronisch Kranke, unbegleitete Minderjährige.

In der Flüchtlingskrise verlieren wir die Not im Land nicht aus den Augen. P. Väthröder SJ war auf Projektbesuch in Venezuela und berichtet: „In den Schulen ist die Mangelernährung der armen Schüler ein Problem. Viele haben nicht genug zu essen und leiden an Untergewicht. Sie können sich im Unter¬richt nicht konzentrieren.“ An 57 Schulen hat Fe y Alegría inzwischen eine kostenlose warme Mahlzeit für die Schüler eingeführt, finanziert durch Spenden.

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